Archiv | GTAI RSS for this section

USA: Verschärfung des US-Steuerrechts durch den „Foreign Account Tax Compliance Act“ (FATCA)

Bonn (gtai) – Mit dem „Foreign Account Tax Compliance Act“ (FATCA) wurde in den USA ein neues Gesetz zur Besteuerung von Vermögenswerten im Ausland eingeführt. Hierdurch werden Finanzinstitute außerhalb der USA mittels einer Quellensteuer gezwungen, die Vermögenswerte ihrer US-Kunden offenzulegen.

Im März 2010 hat Präsident Obama den vom US-Kongress verabschiedeten „Foreign Account Tax Compliance Act“ (FATCA) unterzeichnet, der bis zum 1. Januar 2013 umzusetzen ist. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem Steuerschlupflöcher bei der Deponierung von Vermögenswerten im Ausland gestopft werden sollen.

Konkret enthält der FATCA die Verpflichtung für ausländische Finanzinstitute (foreign financial institution, FFI), mit der amerikanischen Steuerbehörde IRS einen Vertrag darüber abzuschließen, dass sie US-Kunden identifizieren und regelmäßig Meldung über deren Vermögenswerte zu machen. So können sie entsprechend besteuert werden. Dies ist eine Verschärfung des bisher geltenden Qualified Intermediary Regime (QI), wonach die FFIs u.a. nur solche Vermögenswerte offenlegen müssen, die ihre Kunden ihnen gegenüber auch durch das Ausfüllen eines Formulars als zu besteuernd offen gelegt haben.

Nunmehr müssen die Finanzinstitute die Konten von US-Personen sowie von Nicht-US-Gesellschaften, an denen eine US-Person zu mindestens 10 % beteiligt ist, regelmäßig durchforsten und der Steuerbehörde folgende Daten mitteilen:

– Name, Adresse und TIN (taxpayer identification number) der US-Person bzw. der an Gesellschaften und Trusts beteiligten Personen

– Kontonummer

– Kontostand

– Die Bruttoeinnahmen und Bruttoabgänge des Kontos

Da sie hierdurch gegen das Bankgeheimnis verstoßen, müssen die FFIs sich eine Freistellungserklärung (waiver) von ihren Kunden holen. Verweigern diese die Erteilung, so wird eine Quellensteuer in Höhe von 30 % von all ihren aus den USA an das FFI fließenden Zahlungen einbehalten. Verweigert das FFI selbst die Zusammenarbeit mit der Steuerbehörde, so werden 30 % Quellensteuer auf sämtliche US-Zahlungen und -Erlöse des Instituts einbehalten. Die Steuer wird zudem nicht als Abgeltungssteuer angerechnet, so dass sie durch ihren Strafcharakter die Finanzinstitute und US-Personen zur Zusammenarbeit angehalten werden.

Generelle Auswirkungen

Das Gesetz ist von großer Tragweite für die ausländischen Finanzinstitute, also etwa Banken, Investmentfonds oder Lebensversicherer. Diese müssen, sofern sie nicht die 30-prozentige Quellensteuer riskieren wollen, für die Umsetzung der Standards bis Januar 2013 sorgen, was einen hohen Arbeitsaufwand und eine umfassende Umstellung der EDV-Systeme bedeutet. Alternativ könnten sie nach einer Kosten-Nutzen-Analyse auch gezwungen sein, die Betreuung von US-Vermögen einzustellen.

Auswirkungen auf deutsche Unternehmen

Auch deutsche Unternehmen können von den Regelungen der FATCA betroffen sein, wenn sie über eine amerikanische Zahlstelle oder ein FFI Einkünfte aus amerikanischen Quellen oder Erlöse aus dem Verkauf amerikanischer Wertschriften erhält. Die Unternehmen müssen dann bestätigen, dass sie nicht zu mindestens 10 % durch US-Investoren gehalten werden oder aber Namen, Adresse und Steuernummer des entsprechenden Investors an die Steuerbehörde weitergeben. Ebenso gilt es unter Umständen die Regelungen der FATCA zu beachten, wenn etwa eine Tochtergesellschaft in den USA gegründet werden soll.

Literaturhinweis: Ernst & Young, „Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) – Die Herausforderungen der neuen US-Regulierung meistern“. (ESP)

Quelle: Germany Trade & Invest

Advertisements